Selbstversuch, Teil II: Dimavery MM-501

Schon da: Dimaveryveryflott

So, der eBay-Händler meines Vertrauens war flott und ich hatte gestern abend ein Paket im Hausflur stehen. Das Auspacken ging schnell, da der Bass (im ungepolsterten Chinagigbag) in der üblichen Instrumenten-Pappschachtel lag, die wieder in einem Rechteckkarton ohne zusätzliche Polsterung eingesteckt wurde. Es ist aber alles heile angekommen. Eine aufwändigere Verpackung dürfte dem lächerlichen Endpreis des Basses auch kaum angemessen sein. :)

Beim Öffnen des Gigbags gab es gleich die erste Enttäuschung: von wegen geiles Sunburst, wie im Angebotsbild, sondern kackbraun wie in der Produktbeschreibung auch tatsächlich angegeben. Mich hatte ja schon vorher stutzig gemacht, dass der Anbieter einen sonnengebürsteten Bass als “Tobacco” bezeichnet - aber wer Palisander als “Rosenholz” (rosewood) anbietet … :(

Das Tobacco sieht in echt aber eigentlich ganz gut aus. Es geht ein wenig ins honigfarbene, was mir gefällt (meine ersten Fotos vom Abend geben den Farbton überhaupt nicht wieder - also orange ist er wirklich nicht!).

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Verarbeitung

Ich muss gestehen, dass bisher ganz erhebliche Vorurteile gegen China-Instrumente hatte (die nachweisbar begründet sind) - aber dieser Bass ist wirklich sehr gut verarbeitet. Da ist nichts windschief montiert oder schlecht lackiert. Der Dimavery sieht gut aus und fühlt sich gut an. Der Body ist mehrteilig und auf der Rückseite läuft die Maserung eines der Teile im 45° Winkel zu dem restlichen Maserungsverlauf. Mich stört’s nicht.

In dieser Preisklasse sollte die Kopfplatte angeschäftet sein. Ich kann da nichts erkennen. Das bedeutet entweder, der Hals ist einteilig, ich bin blind oder die Arbeit wurde handwerklich perfekt ausgeführt.

Selbst die Mechaniken, die verarbeitungstechnisch und funktional eher untere Kategorie sind, haben sich verjüngende Wickelachsen. Gut gedacht, vielleicht aber noch nicht perfekt umgesetzt.

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Rosenholz, funktional gesehen

Das Palisander des Griffbretts ist guter Durchschnitt - auch hier gibt es an der Verarbeitung nichts zu meckern - wenn da nicht die von Dirk Groll bereits im letztjährigen Test monierte falsche Lagenmarkierung wäre: die Markierungspunkte an der Griffbrettkante sitzen da, wo sie bei einem bundierten Bass zu sitzen haben - zwischen den Bünden. Da hier aber keine Bünde vorhanden sind, begibt man sich auf intonationstechnischen Blindflug.

Ist der Dimavery dein einziger Bass (was ich nicht annehme), ist das durch Übung und Gewöhnung in den Griff zu bekommen. Spielst du noch andere Bässe - möglicherweise bundlos - helfen vermutlich nur eigenhändig (z. B. mit weissem Lackstift) angebrachte Markierungen.

Kleine Ursache, grosse Wirkung. Das ist schade, weil Hals und Griffbrett ansonsten wirklich gut verarbeitet und tadellos bespielbar ist. Der Sattel muss allerdings tiefer gekerbt werden, da auch dieser offensichtlich für einen Bundbass vorgesehen war.

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E-Ausstattung

Der Dimavery hat einem MM-Pickup, in Fachkreisen auch Brikett genannt, in der korrekten Einbauposition (überhaupt sieht der ganze Body sehr authentisch aus). Um es vorweg zu nehmen: der Pickup ist wirklich ok - ich werde sicherlich irgendwann einen höherwertigen Abnehmer einbauen, was sich bei der gebotenen Qualität des Bodies auch lohnen dürfte. Notwendig ist ein Austausch aber nicht.

Der Bass wird rein passiv betrieben. Eine MM-Kopie mit nur zwei Reglern sieht aber uncool aus. Deshalb gibt es neben dem Volumeregler zwei passive Tonblenden (logischerweise nur Absenkung). Eine für Höhen, eine für Bässe. Dies ist funktional und die von Dirk Groll diesbezüglich bemängelten Schwächen der falschen Potiauslegung kann ich nicht bestätigen. Ich kann nicht prüfen, ob hier eine Änderung vorgenommen wurde, da die Minipotis keine Aufdrucke haben und vom Potiwiderstand-Messen habe ich keine Ahnung. Den Bass-Cut habe ich heute auf der Probe sogar benötigt, da der Dimavery ein ordentliches Pfund rausdrückt! Die Regler laufen übrigens (in dieser Preisklasse erstaunlich) “satt” und “sahnig”.

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Klang

MM-Bässe und deren typischen Sound kenne ich nur von bundierten Vertretern. Wie ein echter Ray fretless zu klingen hat, ist mir aus eigener Erfahrung nicht bekannt. Den immer in diesem Zusammenhang angeführten Pino (der seinen Ray längst in die Ecke gestellt hat und Flatwound-Preci spielt) lassen wir mal aussen vor.

Viel MM kann ich beim Dimavery jedenfalls nicht heraushören. Das ist vielleicht ganz gut so, denn ein durchsetzungsfähiger Fretlesston benötigt Mitten, die hier vorhanden sind. Auf der E- und A-Saite höre ich einen preciähnlichen Knurr heraus, während D- und G-Saite eher raymässig zur Sache gehen. Kurzum: seeehr brauchbarer Fretlessklang.

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Fazit

Angenehm überrascht bin ich von der Verarbeitung diese Chinagirls. Berücksichtigt man den wirklich lächerlichen Verkaufspreis dieses Instruments - für den selben Kurs bekommt man einen Delano-MM-Humbucker und ein Päckchen Sunburst Tabak - sind die verwendeten Bauteile sogar von überragender Qualität.

Der Sound ist im Bandkontext überaus brauchbar: ich habe mir heute sogar ein Lob meines Gitarristen eingehandelt, der sich an meinem sonst oft mittenbetonten Bassklang stört … und wer die Gitarristen kennt …. Trotz der beiden Tonblenden, die ich auch nur als Korrekturmöglichkeit ansehe, ist der Bass natürlich nicht besonders flexibel, was in der Natur der Sache liegt. Die Höhenblende produziert eh nur Mumpf und keinen Jaco. ;)

Ko-Kriterium ist die irreführende Lagenmarkierung, die den Bass für den Normal-User praktisch unbespielbar macht. Hier muss man sich selbst zu helfen wissen (Lackstift oder einen gleichartigen Bundbass entgräten).

Wenn man jetzt überlegt, dass die eigentliche Zielgruppe von Dimavery der Bass-Einsteiger, oder zumindest der Fretless-Einsteiger ist, erschliesst sich mir diese Logik nicht.

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4 Reaktionen zu “Selbstversuch, Teil II: Dimavery MM-501”

  1. Börsenkurse und G.A.S. « Bass-Blogger

    [...] kaufen. Wie viele Musiker bin ich auch ein Opfer dieses heimtückischen Krankheitsbildes! Nach dem Testbericht des Dimavery MM-501 im Bassfireblog, hat es mich gepackt und ich denke nicht, dass ich wirklich lange werde [...]

  2. Hans

    Hallo, ich moechte nach 30 Jahren (bin jetzt 61) wieder Musik machen, habe aber keine anlage u. keinen bass. die erste Probe mit einer amateur-bluesband und einem geliehenem bass war prima. mein klangideal ist Pastorius - immer gewesen. Ich komme aber vom Kontrabass und deshalb wuerde ich gern frettless spielen. Du beschreibst da einige Versuche, Preis-Leistung zu optimierten. Was soll ich kaufen? Basteln kann ich jedoch nicht. Die Kollegen wollen jeden zweiten Tag proben. Ich muss also spielen. Momentan schreibe ich mir alle moeglichen Baesse raus und uebe am keyboard mit synthi-sound :-)

  3. Rolle

    Alter schützt vor Torheit nicht :)

    Hallo Hans,

    willkommen im Club!

    Das Keyboard würde ich ja möglichst schnell einmotten. Pastorius ist Steg-Pickup + Anschlag (hart, nahe an der Bridge). Es ist also naheliegend, dass du dir einen bundlosen Jazzbass (Fender, Squier bzw. Nachbauten) besorgst. Ich würde auf jeden Fall in einem (grossen) Musikladen testen, da gerade die Jazzbass-Hälse für einen gelernten Kontrabassisten zunächst gewöhnungsbedürftig sind.

    Da der Jaco-Sound nicht unbedingt immer zu Blues passt, hast du beim Jazzbass immer auch noch den Halstonabnehmer.

    Unser Held spielte seinen Fretless mit Roundwound-Saiten; wenn du nicht unbedingt 100% authentisch sein musst, würde ich mal Flatwounds (z. B. Thomastik) probieren, die vom Spielgefühl recht angenehm und kontrabassig sind. Das ist aber Geschmackssache.

    Beruhigend ist es jedenfalls zu wissen, dass die heutigen “Einsteiger-Instrumente” für kleines Geld in ordentlicher Qualität zu haben sind. Das war zu deinen aktiven Zeiten leider noch ganz anders.

    Amp und Box brauchst du natürlich auch. Ehrlich gesagt, es ist eigentlich egal, was du nimmst - einen ordentlichen Sound bekommst du im Prinzip mit jeder aktuellen Bassanlage hin. Achte bitte nur auf ausreichende Leistungsfähigkeit (so ab 200 Watt Endstufenleistung), damit du in der Band nicht untergehst. Alles Weitere ist nur eine Kosten-, Gewichts- und Geschmacksfrage.

    Ich hoffe, diese Grobübersicht hilft dir schon mal weiter. Schreib doch bei Gelegenheit mal, wie du dich ausgerüstet hast. In dem Sinne wünsche ich dir viel Erfolg und Spass mit der Band (und mit dem Bass).

  4. Andre

    Der Selbstversuch – auch wenn das schon einen Weile her ist - hat mich inspiriert, mir auch einen MM-501 zuzulegen. Außerdem gab es so ein Teil bei E-Bay für 85€ !!!! neu und Sofortkauf. Da kann man nix falsch machen. Inklusive lausige Tasche, Ersatzsaiten, Billiggurt und ein Kabel, das beim ersten Einstecken kaputt ging.

    Aber der Bass entsprach ziemlich genau dem was du und auch Dirk Groll in seinem Test beschrieben hast. Nur der Volume-Poti geht jetzt etwas besser. Die Maveries haben anscheinend auch den Testbericht gelesen und entsprechend korrigiert.

    Aber das Beste: das Teil hat einen super verarbeiteten und schön geraden Hals.

    Alles war ab Werk miserabel eingestellt, zu hohe Saitenlage, nicht oktavrein aber das lässt sich ja alles korrigieren. Unter den Hals musste ein ca. 0,5 mm Shimmy, dann ließ sich auch die Saitenlage gut einstellen.
    Die Bundmarkierungen sind immer noch falsch aber ich habe mir einfach mit einem chromatischen Stimmgerät und einem Tippex-Stift kleine Bundmarkierungen an den oberen Halsrand gemacht. Die rubbeln sich zwar nach einer Weile ab - aber dann kommt man auch ohne Markierungen zurecht.

    Nach einer Weile hatte ich einen Anfall, den 501 optisch und hoffentlich auch klanglich etwas aufzuwerten.
    Also:
    Lack runter vom Body und ein schöneres “anatomisches” Profil in den oberen Teil geschliffen. Der Body ist zwar aus drei Stücken geleimt aber die Maserung liegt schön parallel und sieht nach Rockinger Öl&Wachs Behandlung richtig gut aus.
    Dann noch ein neuer TusQ Sattel, selber gekerbt, neue Fender Flatwounds, Straplocks und neuer Gurt, besserer Volume-Poti rein und die Ton-Potis beide abgeklemmt, weil die sowieso nix taugen und ich meinen Klang eh lieber extern mische. Die Knöpfe hab ich aber als Deko drangelassen.

    Das MM Pickguard hab ich auch weggelassen, damit man mehr vom schönen Holz-Body sieht (wer spielt schon Fretless mit Pick?).
    Leider hatten die Maveries einen viel zu großen Krater für den Pickup in das Holz gefräst, deshalb musste ich mir doch noch eine kleine Abdeckung basteln.

    Der Sound hat nun echt gewonnen – nachdem über ein Kilo Lack runter geschliffen war, hat das Holz hörbar aufgeatmet – hat man schon beim Dranklopfen gemerkt.
    Jetzt ist der 501 soundmässig ein wirklich ernst zu nehmender Bass.
    Noch besser als die Flatwounds wären sicher Rotosound Roundwound Saiten aber die mitgelieferten Runddrahtseiten haben bei den ersten Spielversuchen schon dermaßen ins Griffbrett gebissen, dass ich fürchte, die Rotosounds würden das Ding in kurzer Zeit schreddern.

    Alles in allem habe ich jetzt für wenig Kohle und viel Bastelspass einen schicken, individuellen und schön bassig, knurrig klingenden Fretless. Nicht sehr vielseitig wegen nur einem Pickup aber passt gut für einzelne Stücke oder Passagen.

    Bilder:
    http://www.tattoine-skyworx.de/501/vorher.jpg
    http://www.tattoine-skyworx.de/501/nachher1.jpg
    http://www.tattoine-skyworx.de/501/nachher2.jpg

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