Selbstversuch, Teil IV: Dimavery zum Letzten - Extremverbasteling
So, quasi als Nachtrag für alle Kollegen mit starken Nerven folgt nur eine Kurzdokumentation meiner Schandtaten, die ich dem armen Chinamädel den Sonntagabendnacht antun musste. Ich habe heute mal ein paar Bilder gemacht.

Ob ich die Farbausführung doch noch einmal reklamieren sollte?
Ok, geht los:
Zunächst habe ich mir Bundmarkierungen geschnitzt. Nicht bevor ich zwei andere Hälse ausprobiert habe. Der Originalhals ist aber wirklich nicht schlecht, obwohl überhaupt nicht mit einem StingRay zu vergleichen. Nur Sattelbreite und Mensur stimmt, ansonsten handelt es sich um einen relativ flachen, dadurch aber korrekt spielbaren Hals. Also, StingRay-Freunde: vom Spielgefühl ist der Dimavery hier kein Ersatz!

Die Schlitze (die ich hinterher mit Holzkitt gefüllt habe) hätte ich mit einer Säge sägen sollen. Der Dremel hat gar lustige Ergebnisse produziert. Nun, das lässt sich jetzt nicht mehr rückgängig machen - Hauptsache, es funktioniert!
Damit keiner auf die Idee kommt, der Edelbasshersteller Dimavery würde so’n handwerklichen Schrott produzieren, habe ich gleich mal alle Herkunftsmerkmale elimeniert.


Wie man am letzten Bild sieht, kam ein zweiter Niederhalter für die A-Saite hinzu. Die schicken Original-Mechaniken habe ich nämlich auch direkt in Rente geschickt. Ich habe in meiner Kramkiste noch einen Satz uralte Schaller (mit kleiner Grundplatte) gefunden, die weitaus besser funktionieren.

Die Installation war garnicht ganz so einfach, weil die Chinesen etwas andere Einschlaghülsten produziert haben: der Innendurchmesser ist zu klein für Standardschäfte, der Aussendurchmesser zu gross! D. h. die Bohrung ist für übliche Hülsen zu gross. Meine Austauschhülsen musste ich also mit Isoband fixieren. Drei von vier Schraublöchern der Mechaniken passte aber (so eben) - das soll reichen. Ich werde doch keine Löcher in einen nagelneuen Hals bohren!

Links (in schwarz) sehen wir den Original Pickup - und eingebaut …? Da musste ich mal kurzfristig meinen G-Ray rupfen, der den farblich vollkommen misslungenen grauen Rockinger-Pickup enthielt. Der Rockinger hat Alnico-Magnete, der Dimavery Keramikmagnete - siehe nächstes Bild. Zum Vergleich hätte ich gerne den Rockinger auch noch einmal von unten gezeigt, aber er ist schon eingebaut.

Und, was bringt jetzt die ganze Bas(s)telei?
- Zunächst mal: Intonationssicherheit (im Rahmen meiner spieltechnischen Fertigkeiten selbstverständlich) durch die Markierungen (die hätten jetzt auch ein weniger dezenter sein dürfen).
- Die Schallers müssen sein! Im Vergleich dazu sind die Originale Schrott (auch wenn durchaus funktionsfähig).
- Der Pickup-Tausch (eigentlich nur ein Experiment) bringt mehr, als ich erwartet habe! Leider kann ich nicht direkt vergleichen, da ich mittelalte Thomastik Flats aufgezogen habe. Aber was da plötzlich an Klarheit, Durchsichtigkeit und Holz durchkommt, erstaunt mich doch sehr. Generell geht der Sound jetzt wesentlich mehr in Richtung StingRay. Da ich den Chinabucker jetzt auch in den Gibson eingebaut habe (Roundwound-Saiten), habe ich diesbezüglich wenigstens einen direkten Vergleich: der Dimavery-Pickup ballert wie Hölle und klingt wirklich nicht schlecht. Bloss eben kaum nach StingRay. Da fehlt irgendwie die Feinzeichnung, das MM-typische. Somit muss ich für den Gibson einen neuen Pickup besorgen. Irgendwann mal.
Fazit: für meine Ansprüche bin ich mit der Bas(s)telei sehr zufrieden! Der Bass klingt eigen, aber für mich genial (ich freue mich schon auf die nächste Probe/Gig), lässt sich astrein bespielen (da ist schon ein haptischer Unterschied zu den sonst gewohnten Precihälsen) und sieht, trotz meinder handwerklichen Pfuschereien, klasse aus.
Ich bin dann mal auf andere Erfahrungsberichte gespannt.
Am 12. Oktober 2007 um 17:02 Uhr
[...] ich mir ja eh noch einen neuen Bass kaufen wollte, hab ich beschlossen ich mir den vom Munde abzusparen, halt so das typische [...]
Am 8. November 2007 um 11:29 Uhr
Aha. Jemand im deutschsprachigen Raum, der Hand anlegt und die Sache schön mit Bildern dokumentiert! Mehr davon!
Am 26. November 2007 um 10:23 Uhr
Ich hätte mir ja den gleichen fast bei Ebucht geschossen, Dein Bericht hat mich davon abgehalten. Sieht einfach zu gruselig aus. Also hab ich mich, wenn schon gruselig, für was noch schlimmeres entschieden, das bei Tauglichkeit wie schon mein Thomann-Hausmarke-Bass mit besseren Pickups ausgestattet werden wird. Ein kleiner Bericht ist nicht unwahrscheinlich.